Unsere Pfarrkirche wurde 1963/64, also zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils, erbaut und ist dem Apostel Johannes geweiht. Der achteckige Grundriss ist Symbol der Taufe und der Auferstehung, weil nach den sieben Tagen der Schöpfung der achte Tag als Tag der Auferstehung gezählt wird. Das Sandsteinfries über dem Portal, das Kreuz im Innenraum sowie Ambo und Tabernakel gestaltete Gisela Bär, das umlaufende Fensterband entwarf Prof. Emil Wachter nach Texten aus der Offenbarung des Johannes.
Einen meditave Einführung in die Kirchenfenster von St. Johannes finden Sie auf folgender Seite.
Mit der Anpassung des Gottesdienstraums an die geänderten Verhältnisse beschäftigt sich derzeit der Bauausschuss.
Durch die Reformation in der Kurpfalz war alles kath. Leben in Rohrbach erloschen. Erst durch die kath. Linie der Wttelsbacher wuchs hier zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder eine kleine kath. Gemeinde heran. Die Besorgung der Seelsorge geschah von Leimen aus oder durch Franziskanerpatres aus Heidelberg.
1733/34 erstand in der Rathausstraße ein einfaches barockes Kirchlein mit Dachreiter. Kirchenpatron war der heilige Johannes von Nepomuk. Einen eigenen kath. Pfarrer gab es hier ab 1771 und das mit Unterbrechungen. Erst 1838 wurde Rohrbach endgültig selbständige kath. Pfarrei mit Kirchheim als Filiale. Die Zahl der Katholiken nahm immer mehr zu, sodass das Kirchlein zu klein wurde. Man plante zunächst zwischen Rohrbach und Kirchheim für beide Orte eine große gemeinsame Kirche. Dann einigte man sich auf die Vergrößerung der bestehenden Rohrbacher Pfarrkirche mit dem Vorhaben, später für Kirchheim eine eigene Kirche zu bauen.. Die Erweiterung der Rohrbacher Kirche 1897/98 kam fast einem Neubau gleich: mit neubarockem Inneren und einem die Rathausstraße prägenden schönen Turm. Auch Pfarrhaus und Mesnerhaus kamen damals dazu, 1907 dann auch das St. Theresienhaus mit kath. Kinderschule und Schwesternwohnung für die Ordensschwestern, die seit 1904 hier segensreich wirkten.
Im 19. Jahrhundert gab es noch eine bemerkenswerte Beziehung des Königs Ludwig I. von Bayern zur Rohrbacher kath. Gemeinde und ihrem Kirchlein. Einige Jahre seiner Kindheit hatte er ja im Rohrbacher Schlösschen verbracht und in dieser Zeit hier in der Kirche seine Erstbeichte abgelegt. Später förderten er und seine Verwandten mehrmals unsere Kirche.
Mancher der Pfarrer, die im 19. Jahrhundert hier wirkten, starb schon früh. Erst Pfarrer Emil Droll blieb viele Jahre hier bis zu seinem Tod (1901 - 35). In seiner Zeit entstanden 1908 in Kirchheim die eindrucksvolle neuromanische Kirche St. Peter, dazu Pfarrhaus, Schwesternhaus und Mesnerhaus. Aber auch die erweiterte Rohrbacher St. Johanneskirche erhielt erst durch ihn ihre reiche Innenausstattung. Die Filiale Kirchheim wurde selbständig. Das kath. Vereinswesen blühte sowohl in Rohrbach wie in Kirchheim auf. Nach 34 Jahren in Rohrbach starb Pfr. Droll. Seine Grabstätte auf dem hiesigen Friedhof ist bis heute erhalten.
Interessant die Statistik 1934: Von 1542 Rohrbacher Katholiken (25 % der Bevölkerung) besuchten über 700 regelmäßig die drei Sonntagsmessen (incl. Krankenhauskapelle). 21 Kinder wurden getauft, 15 Verstorbene beerdigt. 34 Kinder gingen zur Erstkommunion.
Auf Pfr. Droll folgte Pfr. Otto Schneider. Er war vorher Dekan im Dekanat Bretten. Wegen seiner Gegnerschaft zum Naziregime wurde der hierher nach Rohrbach versetzt. 17 Jahre lang leitete er die hiesige kath. Gemeinde. Inzwischen gab es hier auch junge Kapläne, die sich sehr um die Jugend kümmerten. Ihnen oblag auch die Seelsorge im Tuberkulose-Krankenhaus. Zeitweise bis zu 60 Bühler Ordensschwestern waren hier Jahrzehnte lang tätig (bis 1973). In der St. Johanneskirche wurden sonntagmorgens drei heilige Messen zelebriert (um 7.00, um 9.00 und um 10.30 Uhr), in der Krankenhauskapelle (1951 neu errichtet) waren es zwei Sonntagsgottesdienste (um 6.00 und um 8.30 Uhr). Die jährliche große Fronleichnamsprozession, die auch in der Nazi- und Kriegszeit nicht unterbrochen wurde, machte an 4 Stationsaltären Halt und zog auch durch den großen Park des Krankenhauses.
Nach dem Tod von Pfr. Schneider (im Priestergrab auf dem Bergfriedhof beerdigt) kam 1953 Pfr. Joseph Striebel nach Rohrbach. Er war ein sehr aktiver und umtriebiger Priester. Da die Gemeinde inzwischen auf ca. 3000 Katholiken angewachsen war, betrieb er mit Eifer den Bau der neuen Johanneskirche, aber auch der St. Michaelskirche in der Südstadt und des neuen Kirchenzentrums auf dem Boxberg.. Mehrere junge Männer aus der Gemeinde wählten in seiner Wirkungszeit den geistlichen Beruf, so Robert Berthold, Fritz Ullmer, Edgar Grimm, Manfred Völker und Gerhard Mlitzko. Ab 1963 erfolgte der Bau der neuen großen Johanneskirche, die dann am 28.3.1965 geweiht wurde. Die bisherige Kirche in der Rathausstraße wurde zum Gemeindehaus umgebaut, der schöne Turm leider abgetragen.
Inzwischen hatte sich Rohrbach auch im Hasenleiser weit ausgedehnt. Deshalb wurde dort 1978 in der Konstanzer Straße das kath. Nebenzentrum St. Benedikt (in Erinnerung an das mittelalterliche Kirchlein) eingeweiht: mit Gottesdienstraum, Kindergarten, Gemeinderäumen und Wohnung. Nach wie vor ist dort reges Leben.
1977 ging Pfr. Striebel in den Ruhestand und verließ Heidelberg. Ihm folgte Pfr. Klaus Ries (1977 – 1983) und dann 1983 Pfr. Karl Müller. 2006 wurde die Seelsorgeeinheit Heidelberg-Süd errichtet (mit den Apostelgemeinden St. Johannes Rohrbach, St. Peter Kirchheim und St. Paul Boxberg-Emmertsgrund). Schon 1999 war Pfr. Kurt Faulhaber hierher gekommen und bildete zusammen mit Pfr. Müller ein spannendes Duo von tiefer Spiritualität und pastoraler Praxis. 2006 kam Pater Bernhard Brinks als Kooperator dazu (bis 2010). 2015 ging die Seelsorgeeinheit Heidelberg-Süd in die Stadtkirche Heidelberg über. Pfr. Müller starb schon 2013 und wurde hier im Priestergrab bestattet. Pater Brinks starb 2012, und Pfr. Faulhaber ging 2015 in den Ruhestand. Das Gemeindeleben im Heidelberger Süden liegt nun verstärkt in der Hand von ehrenamtlich Tätigen und dem Seelsorgeteam der Stadtkirche. Wir leben aus dem Vertrauen, dass Gott unsere kirchliche Zukunft kennt und für sie sorgen wird. Er will uns wohl noch viel mehr öffnen für die Menschen und für die Welt von heute. Schon vor 50 Jahren sagte das 2. Vatikanische Konzil dazu: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“. Sind wir schon so weit?
Verfasser: Gerhard Wagner und Fritz Ullmer















