Ökumene

 
Seit vielen Jahren gibt es in Heidelberg eine ausgeprägte ökumenische Tradition. Gute und vertrauensvolle Beziehungen prägen unseren Dialog und die Zusammenarbeit mit allen christlichen Konfessionen. Die ökumenischen Verbindungen sind vielfältig und lebendig auf verschiedenen Ebenen.
Die Katholische Stadtkirche ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Heidelberg.
 

Ökumene wird in Heidelberg groß geschrieben: ACK

Mit mittlerweile zwölf Mitgliedskirchen hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) „apostolische“ Stärke erreicht. Ein äußeres Merkmal nur, und doch zugleich ein Hinweis, wie vielzählig und vielfältig die Ökumene in Heidelberg ist.

Drei neue Mitgliedskirchen

2023 sind drei weitere Kirchen Vollmitglieder dieser stadtweiten ökumenischen Gemeinschaft geworden: Die Neuapostolische Kirche, die bereits seit 2016 den Status eines Gastmitglieds hatte und in Heidelberg in drei Gemeinden in drei Stadtteilen präsent ist: in Neuenheim, Wieblingen und Rohrbach. Außerdem wurde auch die charismatisch ausgerichtete evangelische Freikirche Mosaik, die bereits seit vier Jahren den Gaststatus hatte, Vollmitglied der Delegiertenversammlung der ACK Heidelberg. Mosaik feiert ihre Gottesdienste an verschiedenen Orten, unter anderem im Luxor-Kino in der Bahnstadt und in den Räumen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Das dritte neue Mitglied ist die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde, deren Gottesdienste in der katholischen Kirche St. Joseph in Eppelheim stattfinden. Weitere Mitgliedskirchen sind, neben der evangelischen Landeskirche und der Katholischen Stadtkirche,  vier evangelische Freikirchen, die griechisch-orthodoxe Kirche und die Alt-Katholischen Kirche, die Selbstständige Evangelisch-Lutherische und die English Church. 

Für eine starke Ökumene 

Zwölf Kirchen und kirchliche Gemeinschaften, deren Mitglieder für eine starke Ökumene in Heidelberg eintreten, mit dem Ziel, nicht Unterschiede zu betonen, sondern das Gemeinsame zu suchen und sichtbar zu machen. Diese Ziele wurden bereits 2017, zum 500 jährigen Jubiläum der Reformation, in den 8 Punkten der gemeinsam unterzeichneten Ökumenischen Vereinbarung  festgeschrieben. Unter dem Titel „Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt“ benennt diese Vereinbarung Punkte, die in ihrer Umsetzung eine deutliche „Ökumenisierung“ der kirchlichen Landschaft zur Folge hätten. Diesen Prozess voran zu treiben ist eines der Hauptanliegen ACK Arbeit Heidelberg. Auf der gemeinsamen biblischen Bekenntnisgrundlage lädt sie daher die christliche Stadtgemeinde regelmäßig zu ökumenischen Gottesdiensten ein. Am 31. Oktober, dem sogenannten Reformationstag, wird der nächstes stadtweite Gottesdienst in der evang. Heiliggeistkirche gefeiert werden. Prediger ist, aus gegebenem Anlass,  der Pfarrer der altkatholischen Gemeinde Alexander Eck: Das altkatholische Bistum in Deutschland feiert in diesem Jahr sein 150 jähriges Bestehen.

Die ökumenische Vielfalt kennenlernen

Durch Corona verschoben, aber nicht aufgehoben wurde das Projekt, in vier Stadtteilspaziergängen die ökumenische Vielfalt vor Ort kennen zu lernen. Der Projektstart ist für das Frühjahr 2024 geplant.
Neben der Stadt-ACK gibt es die Landes-ACK, die in Baden- Württemberg in diesem Jahr  50 Jahre existiert und 26 christliche Mitgliedskirchen und kirchliche Gemeinschaften zusammenbindet. 
Die ACK Deutschland ist bereits seit den Anfängen der Bundesrepublik mit am Start und konnte ihr 75 jähriges Jubiläum feiern. Gründungsmitglieder waren damals die evang. Kirche und vier kleine Freikirchen. Heute gehören 25 Mitglieds- und Gastkirchen zu ihr, darunter 5 orthodoxe und 12 evangelische Freikirchen. Die römisch-katholische Kirche trat ihr 1974 bei. 
(Pfarrerin Sibylle Baur-Kolster)

 

Ökumenische Vereinbarung

der Evangelischen Kirche in Heidelberg, der Katholischen Stadtkirche Heidelberg und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Heidelberg anlässlich des Reformationsjubiläums am 31. Oktober 2017

 "Alle sollen eins sein (...), damit die Welt glaubt" (Johannes 17,21)
Vorbemerkung
„Seid darauf bedacht, die Einigkeit im Geist zu wahren durch das Band des Friedens; ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Epheser 4,4-6).
Von Jesus sind uns Worte im Neuen Testament übermittelt, die den Gedanken der Einheit in der Vielfalt ganz stark betonen. Es ist die in der Taufe gründende Hoffnung und das Ziel, dass alle Christen „eins“ sind.
Seit Jahrhunderten ist durch Kirchenspaltungen viel Leid über die Menschen gekommen. Wir Christen in Heidelberg bedauern das sehr und sehen die Zukunft des Christentums nur in großer ökumenischer Verbundenheit. Sie drückt sich aus im Gebet und im Glauben an Gott als den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.
Wir vertrauen darauf, dass Gott als Vater allen Menschen seine Zuwendung schenkt.
Wir bekennen die Auferstehung Jesu Christi, die uns Leben und Handlungskraft auch in schwierigen gesellschaftlichen und persönlichen Situationen gibt.
Wir glauben, dass der Geist Gottes Weite, Offenheit und Klarheit bewirkt.
Ermutigt durch die langjährige geschwisterliche Zusammenarbeit verpflichten sich die Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Heidelberg im Vertrauen auf Gottes Hilfe zu weiteren Schritten auf dem Weg zu einer sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit.
Zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017 schließen wir folgende verbindliche Vereinbarung für Heidelberg:
  1. Unsere ökumenische Gemeinschaft wird für die Menschen unserer Stadt sichtbar, indem wir für- und miteinander beten, Feste und Gottesdienste feiern: beispielsweise zum Reformationstag, zum Buß- und Bettag, zum 9. November, an Weltgebetstagen und ökumenischen Bibeltagen. Auf Stadtteilebene nehmen wir weitere Möglichkeiten des ökumenischen Miteinanders wahr.
  2. Wir setzen uns gemeinsam für die volle Abendmahlsgemeinschaft der Mitgliedskirchen der ACK in Heidelberg ein.
  3. Wir achten die jeweiligen Traditionen und lassen uns zugleich auf neue Wege der einen Kirche Jesu Christi ein. Daher verpflichten wir uns, das Leben unserer Gemeinden auf verschiedenen Ebenen kennenzulernen, uns gegenseitig zu Begegnungen einzuladen und jede Diskriminierung zu vermeiden.
  4. Als Christen setzen wir uns gemeinsam für unsere Stadt in gesellschaftlichen und sozialen Fragen ein. Nach außen bezeugen wir unsere Einheit in Vielfalt durch gemeinsames Auftreten gegenüber Schulen, Vereinen, Parteien und der Kommune. Wir verpflichten uns, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.
  5. Gemeinsam suchen wir das Gespräch über unsere ökumenischen Hoffnungen und Ziele und verpflichten uns, die ökumenische Gemeinschaft im Dialog gewissenhaft fortzusetzen. Kontroversen werden wir miteinander erörtern und im Geist Jesu Christi nach Lösungen suchen.
  6. Wir sehen die religiöse Bildung als eine wichtige Aufgabe. Deshalb fördern wir die Beschäftigung mit den biblischen Texten und ihre aktuelle Relevanz. Wir fördern zudem alle Initiativen, unterschiedliche Traditionen und Lehren wahrzunehmen und zu verstehen. Darüber hinaus sind wir Anwälte für eine Herzensbildung.
  7. Wir erkennen einander als Kirche Jesu Christi mit den jeweiligen Amtsträgerinnen und Amtsträgern an.
  8. Wir sind offen für das Gespräch mit weiteren christlichen Gemeinschaften und anderen Religionen in Heidelberg.
Dr. Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin - Evangelische Kirche in Heidelberg
Dr. Joachim Dauer, Dekan - Katholische Stadtkirche Heidelberg
Sibylle Baur-Kolster, Pfarrerin - Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Heidelberg