Votum zur Abgabe der Josephskirche
Mit Blick auf die geplante Entscheidung zur Abgabe der Josephskirche in der Sitzung des Pfarreirats am 7. Juli 2026 hat die Leitung der Stadtkirche ein Votum abgegeben. Um ein solches hatte unter anderem der Pfarreirat in seiner Mai-Sitzung gebeten.
Das Votum im Wortlaut
Das Kernteam und der Verwaltungsvorstand geben ihre Einschätzung zur Abgabe der Josephskirche ab. Dies ergänzt die vielen Abwägungen und Wortmeldungen, die bereits getätigt wurden. Klar ist: die Entscheidung, an wen die Kirche abgegeben wird, erfolgt durch den Pfarreirat.
Im Gesamtzusammenhang des gesellschaftlichen Wandels und kirchlichen Umbruchs muss sich die katholische Kirche im Erzbistum Freiburg strukturell verkleinern. Die neue Diözesanstrategie im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses 2030 gibt eine verbindliche Vorgabe von 30% Reduzierung im Vergleich zum aktuellen Gebäudebestand vor. Als Stadtkirche Heidelberg gehen wir erste Schritte in der Umsetzung dieser Vorgabe. Die Entscheidung, die Josephskirche abzugeben, steht in diesem Kontext; die Abgabe von St. Michael ging ihr voraus, andere Schritte werden folgen müssen.
Im Blick auf die durch Mitgliederkrise erzwungene Reduktion ist eine möglichst klare Abgabe von Gebäude und Verantwortung sinnvoll; neben den Ausgaben müssen auch der Betreuungsaufwand und die Rechtspflichten an Liegenschaften reduziert werden. Aus Leitungssicht erscheint darum sinnvoll, dass die Stadtkirche nach Abgabe in beiden Szenarien darauf verzichtet, reguläre Gottesdienste in der Josephskirche anzubieten (was nicht ausschließt, dass sich Gruppen von Gläubigen zum Gebet dort versammeln).
Die Stadtkirche will eine gute und lebendige Zukunft für die Josephskirche. Sie übergibt die Kirche in verantwortungsvolle Hände. Genaues Augenmerk ist auf die Tragfähigkeit der Konzepte der potentiellen Betreiber zu legen.
- Im Vergleich der beiden Konzepte liegt die klarere Trennung bei Abgabe an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde vor; die Josephskirche würde zum orthodoxen Gotteshaus, mit Gastrechten für die Eppelheimer Gläubigen zur Nutzung zum Gebet und für Konzerte.
- Im Blick auf die langfristige Tragfähigkeit liegt ein Vorteil bei der rumänisch-orthodoxen Gemeinde darin, dass die Trägerschaft durch die „Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland“ übernommen würde, die als kirchliche Körperschaft des Öffentlichen Rechts rechtlich besonders abgesichert ist. Der Förderverein benötigt zur langfristigen Sicherung des Unterhalts der Josephskirche eine sehr ambitionierte Auslastung zahlender Nutzer, insbesondere dann, wenn die rumänisch-orthodoxe Gemeinde mittelfristig als Ankermieter aussteigen würde.
- Die Josephskirche wird besonders intensiv als Gotteshaus genutzt, wenn die rumänisch-orthodoxe Gemeinde zum Zuge kommt. Wir erleben seit Jahren eine vertrauensvolle partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dieser Gemeinde. Ihr durch Anvertrauen der Josephskirche Heimat zu geben, wäre ein Beitrag zur Ökumene und zur Integration dieser Gemeinde in die Gesellschaft.
- Die derzeitigen Gebete und Konzerte in der Josephskirche können fortgesetzt werden, auch unter Trägerschaft der rumänisch-orthodoxen Gemeinde. Die geplante Abhängung der Holzdecke um ca. 30 cm verändert nach unserer Einschätzung die akustische Situation nicht grundlegend. Die größere Vereinbarkeit der liturgischen und kulturellen Nutzungsanliegen liegt bei einer Abgabe der Kirche an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde.
Der Prozess der Verkleinerung ist für viele Menschen schmerzhaft; die Abgabe von Kirchen ist fast unvermeidlich für Gläubige mit Verlustgefühlen verbunden. In Eppelheim liegt der erfreuliche Fall vor, dass der Fortbestand der Josephskirche gesichert ist. Wir freuen uns, dass beide Bewerber eine vitale Zukunft für die Josephskirche anstreben.
Unser Votum bringen wir wie gewünscht in den Entscheidungsprozess des Pfarreirates ein. Dieser wird, nachdem er sich intensiv mit der Sache und allen beteiligten Gruppen auseinandergesetzt hat, eine freie und verantwortete Entscheidung treffen.
Wir danken ausdrücklich für alles Engagement und Herzblut, das bereits in eine lebendige weitere Nutzung der Josephskirche gegeben wurde. Dieses ist hoch anzuerkennen und wertvolle Basis für alles Kommende. Wir appellieren für die Zukunft an alle, den verbindenden Wunsch zu erkennen: die Josephskirche als Ort des Gebetes, der Gemeinschaft, der Kultur.
Pfarrer Dr. Marius Fletschinger, stellv. Pfarrer Jens Bader, Leitende Referentin Kathrin Grein
Pfarreiökonom Paul Wührl, stellv. Pfarreiökonom Dominik Dieter
Pfarrer Dr. Marius Fletschinger, stellv. Pfarrer Jens Bader, Leitende Referentin Kathrin Grein
Pfarreiökonom Paul Wührl, stellv. Pfarreiökonom Dominik Dieter