Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung

Am 20. Oktober 2025 war der Pater Anselm Grün zu Gast in der Stadtkirche. Pfarrgemeinderat Johannes Gerstner hatte den bekannten Mönch eingeladen, um im Jubiläumsjahr ‚10 Jahre Stadtkirche‘ einen weiteren spirituellen Impuls zu setzen. Mehr als 200 Personen hatten sich im Gemeindehaus St. Raphael eingefunden, um Anselm Grün zu erleben.

Vertrauen, Zuversicht, Hoffnung
Die einstündige Rede des Benediktiners umkreiste den Dreiklang von Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung, um seine Zuhörerinnen und Zuhörer immer wieder darin zu ermutigen, sie selbst zu sein, sich einen „inneren heiligen Raum zu schaffen, in dem ich nicht angreifbar bin, in dem ich innere Freiheit und Gelassenheit finde.“ Ein Mittel, sich diesen Raum zu schaffen, sieht Grün in dem Grundsatz „verstehen statt bewerten“. Wenn man beispielsweise erkenne, dass man Angst hat, gehe es nicht darum, diese Tatsache zu bewerten, sondern nach den Gründen der Angst zu fragen, um sie zu verstehen: „Ver-stehen, zu mir stehen, für mich ein-stehen.“
Verwandlung statt Veränderung
Dem Erwartungsdruck unserer Zeit, sich ständig verändern, optimieren zu müssen, stellte er entgegen: „Auch wenn ich mich immer wieder verändere, meine Ernährungsgewohnheiten oder mein Konsumverhalten, bleibe ich der gleiche. Die christliche Botschaft lautet nicht Change Management sondern Verwandlung.“ Und er erzählte aus seinen Kursen, in denen er die Teilnehmenden in der Messe einlade, im Ritual zu erfahren, dass auch der eigene Alltag – Gott in der Gabenbereitung wie Brot und Wein hingehalten – sich wandeln lasse.
Angesichts der rasanten Veränderungen von Kirche hierzulande, legte er nahe, den alten Zeiten nicht nachzutrauern. Wer nachtrauere, blicke zurück und bleibe beim Alten. Stattdessen lud er dazu ein, solche Abschiede zu betrauern. Dies sei die Voraussetzung, loszulassen, nach vorn zu schauen und zu neuen Möglichkeiten aufzubrechen.
Johannes Gerstner, Anselm Grün, Claudia Häfele und Pfarrer Marius Fletschinger (v.l.)
Beeindruckende Präsenz des Bestsellerautors
Der Achtzigjährige brauchte kein Manuskript, aus dem Gedächtnis zitierte er Theologen, Philosophen und Psychologen. Seine ruhige Art zu sprechen und im Kontakt mit dem Publikum zu sein, waren sehr überzeugend. Und am Ende schuf er einen besonderen Moment, als er alle aufforderte aufzustehen und sich auf den „inneren heiligen Raum“ zu besinnen –, um in diese Konzentration und Stille hinein Gottes Segen zu erbitten.
Dem Organisator Johannes Gerstner war es wichtig, dass der Abend einem guten Zweck diente: der Erlös kommt dem Projekt Waisenhaus in Haiti und dem Nähprojekt in Parobamba in Peru zugute.