Abschied aus einem „Kirchenmusikparadies“

Das Hochamt am Ostersonntag (5. April 2026) war nicht nur eine würdige Feier des Festes der Auferstehung sondern setzte auch einen licht- und klangvollen Schlusspunkt unter das Wirken des Heidelberger Bezirkskantors Markus Uhl, der Heidelberg nach fast zwanzig Jahren verlässt.

Ein letztes Mal folgte die Cappella Palatina dem Dirigat ihres langjährigen Leiters Dr. Markus Uhl.
Einmal mehr hatte Markus Uhl, der seit 2007 für die Kirchenmusik an der Jesuitenkirche verantwortlich war, ein großes Programm für diesen Festgottesdienst aufgefahren: u.a. mit der Missa in C von Wolfgang Amadeus Mozart und zum Schluss dem „Dona nobis pacem“ aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Die Cappella Palatina, die vier Solist*innen und die Concerto Camerata ließen dieses Programm Klang werden, der nicht nur den weiten Raum der Kirche füllte, sondern auch die Herzen der Gläubigen erreichte.
Es war nicht weniger als der Abschied aus einem „Kirchenmusikparadies“, wie Uhl selbst seinen Arbeitsplatz in Heidelberg nannte. Dieser Abschied falle ihm nicht leicht, so Uhl, der Wechsel auf die Professur an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz sei aber der „richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“.  
Ein kirchenmusikalisches grand oeuvre
Mit Pfarrer und Kirchenmusiker Jens Bader stand ein Kenner dem Gottesdienst vor, der in seiner Laudatio am Ende nicht mit Lob für den scheidenden Bezirkskantor sparte. Uhl und Bader kennen sich seit mehr als dreißig Jahren, 1994 absolvierten sie gemeinsam die kirchenmusikalische C-Ausbildung der Erzdiözese Freiburg. „Was heute zu Ende geht“, so Bader, „war weder Vorspiel noch Intermezzo. Es war keine bloß eingeschobene Strophe im Leben dieser Gemeinde, sondern ein über Jahre gereiftes Ganzes, ein Werkzusammenhang von seltener Dichte. Man könnte fast sagen: ein kirchenmusikalisches grand oeuvre hier an der Jesuitenkirche.“
In seinen 19 Heidelberger Jahren hatte Markus Uhl das musikalische Leben an der Jesuitenkirche und weit darüber hinaus geprägt: in der Liturgie, in Konzerten und in der Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker. In 44 oratorischen Konzertprojekten, 19 A-capella-Programmen und nahezu 100 Gottesdiensten hat er aus 'seiner' Cappella Palatina einen Chor geformt, der sich weit über die Grenzen der Heidelberger Altstadt hinaus Ansehen erworben hat. Markus Uhl habe nicht einfach das Amt des Bezirkskantors versehen oder seinen Dienst zuverlässig erledigt. Vielmehr habe er, so Jens Bader, "mit viel Herzblut einen Ort geprägt und ihm geistliche Gestalt verliehen. Du hast in der Liturgie und im Konzertleben der Jesuitenkirche Maßstäbe gesetzt: durch deinen Geschmack und dein Formbewusstsein, durch deine Disziplin und Urteilskraft, durch deine tiefe geistliche Verwurzelung und deine souveräne Vertrautheit mit der liturgischen und musikalischen Tradition der katholischen Kirche."
Dank für 19 intensive Jahre
Die leitenden Pfarrer der Stadtkirche, Dr. Marius Fletschinger (r.) und Jens Bader (l.) dankten Markus Uhl für seinen großartigen Dienst an der Jesuitenkirche.
Gemeinsam überreichten die Pfarrer Jens Bader und Marius Fletschinger, die erste Seite des Oratoriums "Elias", die nach dem Vorbild des Schweizer Künstlers Ursus Wehrli ("Kunst aufräumen"), von einem Heidelberger Grafiker aufgeräumt worden war - zur sichtlichen Freude des Beschenkten. Denn auch das Aufgeräumte und die Ordnungsliebe gehören zu Markus Uhl. Daran anknüpfend fand auch der Leiter des Amts für Kirchenmusik in der Erzdiözese Freiburg, Godehard Weithoff, sehr wertschätzende und lobende Worte für den scheidenden Bezirkskantor.
Markus Uhl selbst verabschiedete sich – ohne ein gesprochenes Wort – allein mit der musikalischen Gestaltung des Festgottesdienstes. In einem Dankeswort, das dem Liedblatt beigelegt war, dankte er "für 19 Jahre intensives, gemeinsam gelebtes Leben und viele über die Jahre gewachsene Freundschaften in Heidelberg und darüber hinaus. Es war mir eine Ehre und Freude gleichermaßen, Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg an der Jesuitenkirche Heidelberg zu sein." Seinem Nachfolger, der Speyerer Domorganist Markus Eichenlaub, wünsche er Erfolg, Kreativität und Ausdauer an dieser wunderbaren Stelle. Dieser wird sein Amt im Juni antreten.