Bewegender Abschied von Pfarrer Josef Mohr
Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstag (2. Oktober) vom verstorbenen Pfarrer Josef Mohr Abschied genommen. Der frühere Pfarrer von St. Raphael und St. Vitus war am 25. September seinem Krebsleiden erlegen. Nach dem feierlichen Requiem in St. Raphael folgte die Beisetzung auf dem Bergfriedhof.
"Eine einmalige Versammlung" nannte der stellvertretende Dekan, Klaus Rapp, zu Beginn des Sterbeamts die große Schar der Menschen, die nicht alle einen Sitzplatz in St. Raphael fanden. Einmalig, weil Josef Mohr wohl ein letztes Mal so viele unterschiedliche Menschen zusammengerufen hatte, die sich in dieser Konstellation sonst nicht getroffen hätten. Der Tod von Josef Mohr sei Anlass zu Trauer, dass sein irdischer Lebensweg zu Ende sei, so Rapp, aber auch zu Dank, dass er unter uns gelebt und gewirkt hat.
Johannes il-hwan Yoo und Markus Uhl an der Orgel sowie die Frauenschola St. Raphael und Dominik Schmolz als Kantor setzten die musikalischen Akzente in diesem Abschiedsgottesdienst: sei es mit "Wäre Gesanges voll unser Mund" von Eugen Eckert zu Beginn, "Ach, Herr, lass dein lieb Engelein" aus der Bach'schen Johannespassion oder dem Danklied aus der anglikanischen Tradition "Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt".

Josef Mohr
1950-2025
1950-2025
"Gott glaubt an uns"
Josef Mohr hatte seinen langjährigen Weggefährten und Freund, den früheren Heidelberger Dekan Klaus Zedtwitz um die Predigt gebeten. "Josef hatte klare Vorstellungen über die Liturgie, auch über sein Requiem", sagte Zedtwitz zu Beginn. Es sollte eine Homilie mit dem Leitgedanken "Euer Herz sei ohne Angst" sein und kein Nachruf auf ihn, so hatte er es bestimmt. Und gleich eine Geschichte dazu gelegt - aus dem Roman von Michel Bergmann "Der Teilacher": Gefragt, warum er in der Synagoge sei, wo er doch nicht an Gott glaube, antwortet David Bermannin diesem Roman: "ER glaubt an mich und ich will ihn nicht enttäuschen."
Das hätte auch ein typischer Predigt-Einstieg von Josef Mohr selbst sein können. Denn er nutzte oft Verweise aus der Kunst, besonders aus der Literatur, um Aspekte des Glaubens von einer anderen Seite zu beleuchten.
Und dass Gott an uns glaubt, dass er uns etwas zutraut, war für Josef Mohr klar und Voraussetzung für einen angstfreien Glauben, den er verkündete und selbst lebte. "Euer Herz sei ohne Angst!" Deshalb konnte Josef Mohr ohne Angst sein "vor dogmatischer Engführung, vor moralischer Reglementierung, vor der Zukunft, vor Auseinandersetzung", wie Klaus Zedtwitz betonte.
Wenn er von etwas überzeugt war, habe er die Auseinandersetzung nicht gescheut. So setzte er beispielsweise durch, dass das Altarbild "Schrei und Wolke" von Udo Körner seinen Platz in St. Raphael fand. Das Bild sollte zeigen: "Unser Leben ist ambivalent wie es auch das Leben Jesu war. Wir sind auch da und dort zerrissen und spüren doch unsere Ganzheit", hob Zedtwitz hervor.
"Im Herrn verschieden"
"Am 11. Januar dieses Jahres feierten wir in der Gutleuthofkapelle mit Josef sein Taufgedächtnis, an diesem Tag vor 75 Jahren war er getauft worden", erinnerte Klaus Zedtwitz. "Zugleich empfing er in dieser Eucharistiefeier die Krankensalbung. Leben und Tod gehörten für ihn zusammen." Bei dieser Gelegenheit habe Josef Mohr – in einem für ihn typischen Wortspiel daran erinnert –, dass es im Freiburger Amtsblatt die Rubrik gebe "Im Herrn verschieden". Dort würde auch bald sein Name stehen.
Beim anschließenden Abendessen, habe er die Tischgemeinschaft begrüßt: "Ihr alle im Herrn Verschiedenen!"
Verschiedenheit war für ein ein Qualitätsmerkmal, er wollte mit verschiedenen Menschen Umgang haben. Klaus Zedtwitz: "Er suchte das Gespräch mit Glaubenden in ökumenischer Verbundenheit, mit Zweifelnden und Agnostikern – ob im Pfarrsaal, in seinem gastfreundlichen Pfarrhaus oder im 'Woiloch'."
Mit Blick auf das Evangelium von den vielen Wohnungen im Haus des Vaters (Joh 14, 1-6) schloß der frühere Heidelberger Dekan seine Predigt: "Nun ist Josef dort, wo Jesus ist – und uns doch so nahe!"

